Verschiedene Menschen, die der LSBTIQ* Community angehören, feiern gemeinsam. Im Hintergrund sieht man mehrere Regenbogenfahnen.

NRW LSBTIQ* inklusiv - Sonderauswertung und Maßnahmen in Bielefeld

(November 2021)

Aus einer Vielzahl von Gründen haben die Autor*innen der Studie beschlossen, eine Sonderauswertung der landesweiten Studie “NRW LSBTIQ* inklusiv 2020” für die Stadt Bielefeld vorzunehmen. Die Studie hat wichtige Erkenntnisse über die Erfahrungen, Bedarfe und Wünsche der Zielgruppe in Bielefeld erbracht. Die Stadt Bielefeld wurde als Modellstadt gewählt, da sie im Hinblick auf die Versorgungsdichte durch das ambulant betreute Wohnen den Durchschnitt in NRW abbildet. Deshalb hatten LSBTIQ* mit Beeinträchtigung in Bielefeld die Möglichkeit, die Studie mit Assistenz in Form von Unterstützung in Einrichtungen der Eingliederungshilfe oder in integrativen Cafés durchzuführen.

Aufgrund des Bielefelder Studienschwerpunkts war es uns ein Anliegen, eine Sonderauswertung zu den Lebenslagen und Diskriminierungserfahrungen von LSBTIQ* mit Beeinträchtigung in Bielefeld anzufertigen. Dazu haben wir die Ergebnisse der Studienteilnehmer*innen aus Bielefeld erneut analysiert und mit den ursprünglichen Ergebnissen der NRW-weiten Erhebung verglichen. Ziel war es, wesentliche Unterschiede in den Diskriminierungserfahrungen von LSBTIQ* mit Beeinträchtigung in Bielefeld im Vergleich zu NRW herauszustellen.

Hier die Sonderauswertung als PDF zum Download.

 

Kampagne „Du bist gut - so wie Du bist"

(September 2021)

Du bist gut - so wie Du bist. Egal, wen du liebst, egal, wie du dich fühlst

Passend zum Coming-Out Day startet unsere Kampagne „Du bist gut - so wie Du bist".

Die Studie NRW LSBTIQ* inklusiv hat deutlich gezeigt, dass Maßnahmen zur Enttabuisierung von Sexualität in Einrichtungen der Eingliederungshilfe dringend notwendig sind. Es zeigte sich, dass viele Menschen in Einrichtungen der Eingliederungshilfe nicht die notwendige Unterstützung erhalten, um ihre Sexualität oder Geschlechtsidentität frei leben zu können.

Wir möchten mit der Kampagne „Du bist gut - so wie Du bist" sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in Werkstätten für Menschen mit Behinderung sichtbar machen und die Selbstbestimmung von Menschen mit Handicap fördern.

Flyer und Poster der Kampagne können kostenfrei per E-Mail (info@lsbtiq-inklusiv.nrw) bestellt werden.

 

Vielfalt inklusiv - Wie werden wir LSBTIQ* inklusiver?

(Mai 2021)

Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und queere Menschen (LSBTIQ*) mit Beeinträchtigungen werden oft diskriminiert. In der Studie NRW LSBTIQ* inklusiv gaben 87 % der Befragten an, dass sie bereits diskriminiert wurden (z. B. wegen ihrer Behinderung). Maßnahmen zum Abbau von Diskriminierung sind dringend notwendig.

Am 28.04. und am 05.05.2021 haben wir Workshops durchgeführt, um Maßnahmen zum Diskriminierungsabbau zu entwickeln. Wir wollten uns mit den vielfältigen Formen der Ungleichbehandlung auseinandersetzen. Auch die Vernetzung der unterschiedlichen Akteur*innen wollten wir fördern.

Vielen Dank an alle, die an den Workshops teilgenommen haben.

In Kürze wird hier eine Dokumenation verfügbar sein.

 

Zusammenfassung der Studienergebnisse

Lebenswirklichkeiten und Problemlagen von LSBTIQ* mit unterschiedlichen Formen der Behinderung, chronischen Erkrankungen, psychischen und sonstigen Beeinträchtigungen

(November 2020)

Die vorgestellten Ergebnisse zeigen differenziert, dass LSBTIQ* mit Beeinträchtigungen überdurchschnittlich häufig Stigmatisierung erleben und Mehrfachdiskriminierungen ein prägender Teil ihrer Biographie und ihrer Lebenswirklichkeit sind:

872 LSBTIQ* mit Beeinträchtigung haben an der Befragung teilgenommen, 665 Personen haben den Fragebogen vollständig ausgefüllt. Von den Befragten haben 85 % bereits Diskriminierungen in Bezug auf ihre sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität oder Beeinträchtigung erlebt:

  • Hinsichtlich der sexuellen Orientierung wurden am häufigsten queere Menschen (71 %) diskriminiert, aber auch zwei Drittel der schwulen, 56 % der bi- oder pansexuellen und 54 % der lesbischen Menschen haben Diskriminierungserfahrungen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung erlebt.
  • Knapp zwei Drittel (64 %) der Befragten wurden bezüglich der Behinderung, chronischer Erkrankung, psychischer oder sonstiger Beeinträchtigung diskriminiert.
  • Mit Blick auf die Geschlechtsidentität haben jeweils knapp 80 % der Trans* und Inter*Menschen sowie gut die Hälfte der nonbinary/queeren Menschen Diskriminierungen erfahren.

Diskriminierungsart: „Ausgrenzung, Übergehen- oder Ignoriertwerden“ ist mit 72 % die meist benannte Diskriminierungsart, 35 % der Befragten haben bereits körperliche Bedrohung und Angriffe erfahren: Jede vierte Person wird unfreiwillig geoutet: Unfreiwilliges Outen von LSBTIQ* Menschen kann trotz der vermeintlichen Offenheit der Gesellschaft beträchtlichen Schaden in ihrer Lebenswelt anrichten.

Diskriminierung erfolgt an allen Orten des täglichen Lebens: Am häufigsten wird Diskriminierung im privaten Umfeld, in der Öffentlichkeit und der Schule erlebt. Inter*Menschen sind zahlenmäßig zwar in der Minderheit, die erlebte Diskriminierung ist jedoch in allen Bereichen am höchsten. Bis zu 85 % der Inter*Menschen erfuhren Diskriminierungen, z. B. im privaten Umfeld. Ähnliche Erfahrungen erfuhren Trans*Menschen und nonbinäre/queere Menschen.

Unterstützungsbedarf in besonderen Wohnformen: Menschen, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung in einer besonderen Wohnform leben, sind in der Auslebung ihrer Sexualität und Partner*innenschaft in besonderem Maße auf die Unterstützung durch Mitarbeitende angewiesen. Jede zweite LSBTIQ* Person, die in besonderen Wohnformen lebt, wünscht sich mehr Unterstützung durch Mitarbeitende, um andere LSBTIQ* Menschen zu treffen und Angebote der LSBTIQ* Szenen in Anspruch zu nehmen. Über die Hälfte (55 %) der Personen gab an, keinen leichten Zugang zu Kondomen oder anderen Verhütungsmitteln in der Einrichtung zu haben. Die Möglichkeit, Sexualassistenz in Anspruch zu nehmen, wurde lediglich einer von 41 Personen gegeben.

Die Studienergebnisse zeigen, dass dringender Handlungsbedarf besteht, Ungleichheiten abzubauen und Chancengleichheit und soziale Teilhabe von LSBTIQ* mit Beeinträchtigung zu fördern. Sie fordern vor allem Politik, Verwaltung, (Selbsthilfe-)Organisationen von LSBTIQ* mit Beeinträchtigungen, queere Verbände und Einrichtungen der Behindertenhilfe auf, geeignete Maßnahmen zu entwickeln, um Benachteiligungen zu beseitigen.

 

Grußworte zur Online-Fachtagung vom November 2020

Andreas Bothe, Staatssekretär im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration NRW (li.) und Dr. Georg Kremer, Geschäftsführung Bethel.regional

LSBTIQ* inklusiv NRW

Das Projekt „NRW LSBTIQ* inklusiv“ wurde ins Leben gerufen, um die Lebenswirklichkeit und die Problemlagen von LSBTIQ* mit unterschiedlichen Formen der Behinderung, chronischen Erkrankungen, psychischen und sonstigen Beeinträchtigungen in verschiedenen sozialen Kontexten kennenzulernen.

Welche Erfahrungen machen Sie z.B. in Einrichtungen der Behindertenhilfe als LSBTIQ* und wie nehmen Sie LSBTIQ*-Communities wahr? Wie und in welchen Situationen werden Sie von wem diskriminiert und ausgegrenzt? Welche Verbesserungen und Veränderungen wünschen Sie sich?

Hauptbestandteil des Projekts ist eine Online-Befragung.

Die Ergebnisse der Befragung sollen dazu beitragen, nachhaltige Maßnahmen zur Förderung der sexuellen und geschlechtlichen Selbstbestimmung, sowie der sozialen Teilhabe von LSBTIQ* mit Behinderung, chronischen Erkrankungen, psychischen und sonstigen Beeinträchtigungen zu entwickeln. Auf Grundlage der Daten können Projekte entwickelt werden, welche die LSBTIQ*-Community, Beschäftigte der Behindertenhilfe und auch die Öffentlichkeit für die spezifischen Lebenslagen von LSBTIQ* mit Behinderung, chronischen Erkrankungen, psychischen und sonstigen Beeinträchtigungen sensibilisieren.

Es handelt sich bei der Studie um ein Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW e.V., in Kooperation mit BIE Queer e.V. und queerhandicap e.V.. Gefördert wird es von dem Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Stadt Bielefeld, insbesondere die Gleichstellungsstelle der Stadt Bielefeld, die Aidshilfe Bielefeld e.V. und die Fachhochschule Bielefeld Sozialwesen unterstützen das Projekt.

Die Studie endete am 20. Juli 2020, vielen Dank für Ihre Teilnahme! Die Ergebnisse sind im Archiv verfügbar.

 

Ein Projekt der

Logo der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW

 

Anders&Gleich LSBTIQ* in NRW

Gefördert vom:

Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW

Unterstützer*innen:

Queer Handicap

 

BIE Queer e.V.

 

Stadt Bielefeld Gleichstellungsstelle

 

Aidshilfe Bielefeld e.V.

Mädchenhaus Bielefeld e.V.

Neue Schmiede

Bethel

Stadt Bielefeld Büro für Integrierte Sozialplanung und Prävention

Verein Psychatrie Erfahrener Bielefeld e.V.

Der Paritätische Bielefeld

Pro Familia Ortsverband Bielefeld e.V.

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