Verschiedene Menschen, die der LSBTIQ* Community angehören, feiern gemeinsam. Im Hintergrund sieht man mehrere Regenbogenfahnen.

Vielfalt inklusiv - Wie werden wir LSBTIQ* inklusiver?

(Mai 2021)

Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und queere Menschen (LSBTIQ*) mit Beeinträchtigungen werden oft diskriminiert. In der Studie NRW LSBTIQ* inklusiv gaben 87 % der Befragten an, dass sie bereits diskriminiert wurden (z. B. wegen ihrer Behinderung). Maßnahmen zum Abbau von Diskriminierung sind dringend notwendig.

Am 28.04. und am 05.05.2021 haben wir Workshops durchgeführt, um Maßnahmen zum Diskriminierungsabbau zu entwickeln. Wir wollten uns mit den vielfältigen Formen der Ungleichbehandlung auseinandersetzen. Auch die Vernetzung der unterschiedlichen Akteur*innen wollten wir fördern.

Vielen Dank an alle, die an den Workshops teilgenommen haben.

In Kürze wird hier eine Dokumenation verfügbar sein.

Dokumente zum Download

Die Studienberichte können kostenfrei in gedruckter Form bestellt werden:

E-Mail: info@lsbtiq-inklusiv.nrw

Weitere Dokumente stehen im Archiv zum Download bereit.

 

Zusammenfassung der Studienergebnisse

Lebenswirklichkeiten und Problemlagen von LSBTIQ* mit unterschiedlichen Formen der Behinderung, chronischen Erkrankungen, psychischen und sonstigen Beeinträchtigungen

(November 2020)

Die vorgestellten Ergebnisse zeigen differenziert, dass LSBTIQ* mit Beeinträchtigungen überdurchschnittlich häufig Stigmatisierung erleben und Mehrfachdiskriminierungen ein prägender Teil ihrer Biographie und ihrer Lebenswirklichkeit sind:

872 LSBTIQ* mit Beeinträchtigung haben an der Befragung teilgenommen, 665 Personen haben den Fragebogen vollständig ausgefüllt. Von den Befragten haben 85 % bereits Diskriminierungen in Bezug auf ihre sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität oder Beeinträchtigung erlebt:

  • Hinsichtlich der sexuellen Orientierung wurden am häufigsten queere Menschen (71 %) diskriminiert, aber auch zwei Drittel der schwulen, 56 % der bi- oder pansexuellen und 54 % der lesbischen Menschen haben Diskriminierungserfahrungen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung erlebt.
  • Knapp zwei Drittel (64 %) der Befragten wurden bezüglich der Behinderung, chronischer Erkrankung, psychischer oder sonstiger Beeinträchtigung diskriminiert.
  • Mit Blick auf die Geschlechtsidentität haben jeweils knapp 80 % der Trans* und Inter*Menschen sowie gut die Hälfte der nonbinary/queeren Menschen Diskriminierungen erfahren.

Diskriminierungsart: „Ausgrenzung, Übergehen- oder Ignoriertwerden“ ist mit 72 % die meist benannte Diskriminierungsart, 35 % der Befragten haben bereits körperliche Bedrohung und Angriffe erfahren: Jede vierte Person wird unfreiwillig geoutet: Unfreiwilliges Outen von LSBTIQ* Menschen kann trotz der vermeintlichen Offenheit der Gesellschaft beträchtlichen Schaden in ihrer Lebenswelt anrichten.

Diskriminierung erfolgt an allen Orten des täglichen Lebens: Am häufigsten wird Diskriminierung im privaten Umfeld, in der Öffentlichkeit und der Schule erlebt. Inter*Menschen sind zahlenmäßig zwar in der Minderheit, die erlebte Diskriminierung ist jedoch in allen Bereichen am höchsten. Bis zu 85 % der Inter*Menschen erfuhren Diskriminierungen, z. B. im privaten Umfeld. Ähnliche Erfahrungen erfuhren Trans*Menschen und nonbinäre/queere Menschen.

Unterstützungsbedarf in besonderen Wohnformen: Menschen, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung in einer besonderen Wohnform leben, sind in der Auslebung ihrer Sexualität und Partner*innenschaft in besonderem Maße auf die Unterstützung durch Mitarbeitende angewiesen. Jede zweite LSBTIQ* Person, die in besonderen Wohnformen lebt, wünscht sich mehr Unterstützung durch Mitarbeitende, um andere LSBTIQ* Menschen zu treffen und Angebote der LSBTIQ* Szenen in Anspruch zu nehmen. Über die Hälfte (55 %) der Personen gab an, keinen leichten Zugang zu Kondomen oder anderen Verhütungsmitteln in der Einrichtung zu haben. Die Möglichkeit, Sexualassistenz in Anspruch zu nehmen, wurde lediglich einer von 41 Personen gegeben.

Die Studienergebnisse zeigen, dass dringender Handlungsbedarf besteht, Ungleichheiten abzubauen und Chancengleichheit und soziale Teilhabe von LSBTIQ* mit Beeinträchtigung zu fördern. Sie fordern vor allem Politik, Verwaltung, (Selbsthilfe-)Organisationen von LSBTIQ* mit Beeinträchtigungen, queere Verbände und Einrichtungen der Behindertenhilfe auf, geeignete Maßnahmen zu entwickeln, um Benachteiligungen zu beseitigen.

 

Grußworte zur Online-Fachtagung vom November 2020

Andreas Bothe, Staatssekretär im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration NRW (li.) und Dr. Georg Kremer, Geschäftsführung Bethel.regional

LSBTIQ* inklusiv NRW

Das Projekt „NRW LSBTIQ* inklusiv“ wurde ins Leben gerufen, um die Lebenswirklichkeit und die Problemlagen von LSBTIQ* mit unterschiedlichen Formen der Behinderung, chronischen Erkrankungen, psychischen und sonstigen Beeinträchtigungen in verschiedenen sozialen Kontexten kennenzulernen.

Welche Erfahrungen machen Sie z.B. in Einrichtungen der Behindertenhilfe als LSBTIQ* und wie nehmen Sie LSBTIQ*-Communities wahr? Wie und in welchen Situationen werden Sie von wem diskriminiert und ausgegrenzt? Welche Verbesserungen und Veränderungen wünschen Sie sich?

Hauptbestandteil des Projekts ist eine Online-Befragung.

Die Ergebnisse der Befragung sollen dazu beitragen, nachhaltige Maßnahmen zur Förderung der sexuellen und geschlechtlichen Selbstbestimmung, sowie der sozialen Teilhabe von LSBTIQ* mit Behinderung, chronischen Erkrankungen, psychischen und sonstigen Beeinträchtigungen zu entwickeln. Auf Grundlage der Daten können Projekte entwickelt werden, welche die LSBTIQ*-Community, Beschäftigte der Behindertenhilfe und auch die Öffentlichkeit für die spezifischen Lebenslagen von LSBTIQ* mit Behinderung, chronischen Erkrankungen, psychischen und sonstigen Beeinträchtigungen sensibilisieren.

Es handelt sich bei der Studie um ein Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW e.V., in Kooperation mit BIE Queer e.V. und queerhandicap e.V.. Gefördert wird es von dem Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Stadt Bielefeld, insbesondere die Gleichstellungsstelle der Stadt Bielefeld, die Aidshilfe Bielefeld e.V. und die Fachhochschule Bielefeld Sozialwesen unterstützen das Projekt.

Die Studie endete am 20. Juli 2020, vielen Dank für Ihre Teilnahme! Die Ergebnisse sind im Archiv verfügbar.

 

Ein Projekt der

Logo der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW

 

Gefördert vom:

Unterstützer*innen:

 

 

 

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